Expat Abenteuer

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Zustand unseres Expats

Ein typischer Expat trat ins Laden ein. Ganzen Tag lang hatte er was zu tun gehabt. Er ist nämlich erst vor ein paar Tagen in der Schweiz gekommen und hat eine Menge zu erledigen: Wohnsitzanmeldung, Fotos für Ausweise zu machen, Krankenkasse auszuwählen, Wohnungssuche, usw. Natürlich hat er momentan kein Auto und musste zuerst herausfinden wie ÖV funktioniert. Er hat keine geringste Ahnung wo sich verschiedene Einrichtungen befinden und schaut ständig auf Google Maps. Nach einem langen Tag ist er schon ganz erschöpft. Erschöpft und hungrig, da er in diesen ganzen Circus völlig vergass zu essen (Chips, Snickers und Gummi Bärs kann man aber nicht zum Ernährung zählen, oder?). Am einfachsten wäre es ins Burger King oder ähnliche zu gehen, aber er meinte, dass er für ein Tag schon genug Junkfood gegessen hat. Die Frage ist auch wo ein BK ist, und auch von Google Maps hatte er shon die Nase voll für heute.

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Das Abenteuer beginnt

Vor er ins Laden eintrat, schaute er kurz auf riesige Schild. „Migros“ stand drauf. Er weisst nicht was das für ein Laden ist, aber ist schon glücklich, dass drauf nicht H&M oder Volvo stand. Er trat ein und erfreute sich: „Perfekt. Lebensmittel!“  Er versuchte sein Weg zwischen Regale und Gänge zu finden. Er suchte nach Dinge, die ihm bekannt sind, was typisch für einen Expat ist. Er sucht nach vertrauten, bekannten (familliar) Sachen in einer fremder Umgebung, so dass er sich beruhigt und das Gefühl kriegt, als ob er noch weiter in Kontrolle wäre. So dass nicht nur Chaos um ihm herum herrscht und das er noch immer was zu sagen hat. So war es mit ihm in letzten paar Tagen. Totaler Chaos. Neues Land, unverständliche Leute, verwirrte Sprache und Bräuche. Andere Lebensmittel (was ist Rivella und was ist Raclette?!). ÖV ist ganz seltsam (wie jetzt? Ich kann einfach nicht ein Ticket von A bis B kaufen?!). Hier sind noch neue Arbeitskollegen (wenn er Glück hat),  neue Mitbewohner und neue Nachbarn. Und er hat schon gemerkt, dass ein Nachbar bisschen merkwürdig ist. Letztes Mal hat ihn der Nachbar angesprochen. Er sagte etwas wie: „das darf man nicht“ und „Regeln“, oder so etwas. Er hat ihn nicht verstanden und jetzt macht er sich sorgen darüber. Vielleicht wollte Nachbar nur freundlich sein und wollte ihm entgegenkommen und ihn herzlich zu begrüssen. Er murmelte etwas ungeschickt und wollte nur, dass das Gespräch schon vorbei wäre. Und jetzt denkt der Nachbar ganz sicher, dass er unhöflich ist. „Ich muss mich bei ihm entschuldigen“, versprach er sich. Und ich muss diese Sprache unbedinkt lernen. Was sind die beste Methoden zum Sprachenlernen?  

Und dann gibt es hier noch die Wäscherei. Was?! Ich kann nur am Freitag waschen?! Und dazu noch jede zweite Woche?! Nein, das hat er sicher falsch verstanden. Das ist doch Unsinn! Chaos, Chaos überall! Und dann gibt es noch die…

„U, Spagetti“, sagte er völlig zufrieden als er die bekannte Label auf Packung sah. Und das Genau rechtzeitig, um seine Spirale des negativen Gedenken zu unterbrechen. Der Fund von Spagetti gab ihm Hoffnung und als Optimismus sich wieder in seinem Körper verbreitete sagte er sich ermutigend: „Ah, ich schaff das schon. Es ist gar nicht so schlecht. Siehst du, hier findet man gleiche Spagetti wie bei uns zu Hause. Easy peasy!“. Nachher fand er noch die Sosse, Jogurt und Brot und das alles ohne jemanden was zu fragen. Das geht besser als er dachte! Inzwischen hat er auch andere Lebensmittel gesehen und sie sahen ganz interessant aus. Er würde gerne verschiedene neue Köstlichkeiten probieren! Aber nicht heute. Nicht in diesem Moment. Zurzeit hat er schon zu viel neues in seinem Leben und will jetzt nur seinen Hunger stillen. Nur essen.

Unerwartete Schwierigkeiten

Ganz fröhlich kam er zur Kasse und dache sich: „Na, fast fertig. Nur noch zahlen, das ist aber ganz einfach. Ich schaue nur was auf Display steht, gebe so viel Geld und das war’s…. Oder? Klar! Die Zahlen sind gleich wie bei uns zu Hause. Ich bin doch nicht in China… Ausser… Wenn da keine Displays vorhanden sind….?!“. Er schaute im Halbpanik um sich herum und zu seiner Vergnügen bemerkte er Displays auf anderen Kassen. „Ah, da gibt’s ja ein. Dann gibt’s  bestimmt auf diese Kasse auch ein Display“, dachte er, beruhigte sich aber erst als er das Display mit eigenen Augen sah. Als er geduldig wartete, kam eine ältere Dame auch zur Kasse. Er grüsst sie mit einem höfflichen Lächeln. Die Dame grüsst zurück, aber als sie ihr Einkauf auf Kassenband legte, bemerkte er, dass sie ihn ganze Zeit kritisch anschaute. Als ob sie etwas von ihm erwartete. Wahrscheinlich hat sie nicht gesehen, dass er sie schon begrüsst hat. „Kein Problem“, dachte er. „Ich mache es gerne noch einmal“. Er lächelte wieder, diesmal aber beugte er sich auch ein bisschen. „So… Erledigt“, meinte er. In nächste Sekunde hörte er wie der Warentrenner laut auf Kassenband fiel. Die alte Dame hat es grob drauf geworfen. Seiner Meinung nach hat sie ein bisschen übertrieben. Sogar die Kassiererin hat kurz geschaut was los gewesen ist. „Das war aber unnötig“, dachte er. „Warum solch ein Ungeduld?“ Hm… Vielleicht wollte die Dame, dass er ihr damit hilft? Konnte es sein? Hat sie ihn deswegen so angeschaut? „Ah, komm jetzt…! Es war nicht SO schwierig!“, dachte unsere Protagonist, ohne das wahre Gewicht und Wichtigkeit den Warentrenner zu ahnen.

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Odysseus ist aber noch nicht zu Ithaka gelangen

Als er dran war zu zahlen, schaute er aufs Display: CHF38,6 stand drauf. Er zahlte mit CHF40, nahm das Restgeld und war ganz zufrieden wie ‚smooth‘  sich alles entfalten hat. Er wollte schon fröhlich gehen, er fühlte sich wie ein echter Sieger, aber dann passierte es. Das, was er gefürchtet hat – das Unbekannte. Die Kassiererin hat etwas zu ihm gesagt. Er hoffte zuerst, dass es nur ein Grüss gewesen ist, aber nein. Sie schaute ihn an. Sie erwartete etwas von ihm. „Em… Sorry?“, flüsterte er. Sie wiederholte: „Bla bli blu… Karte“. Karte? Was Karte? „Nein, mit Bar. Aber ich habe doch schon bezahlt“, sagte er endlich. „Nein“, sagte Kassiererin.  „Bli, blu, ble… Karte“. Wie nein? Sein Gehirn suchte für eine Lösung, schaffte aber nur: „Doch, ich habe Ihnen gerade CHF40 gegeben…!?! Die Verkäuferin wollte noch etwas sagen, aber hat sich anders überlegt und sagte nur: „It’s OK“. Er wollte noch etwas fragen und erklären, aber die alte Dame hat sich schon inzwischen eingedrängt und gab ihm einen Blick, der ganz deutlich sagte: „Geh schon weg…!“.

Was hat sie bloss gesagt?!

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